Der politische Kommentar


Die Geschichte um einen dreisten Dieb geistigen Eigentums, der bayrischen CSU und neuer Seilschaften in der Bundespolitik

Ein Kommentar von Harald Müller


 

Endlich haben wir wieder einmal einen offenen, ehrlichen und volksnahen Politiker, der dazu auch noch jung ist und uns Wählern und Bürgern dieses Landes wieder eine Perspektive und ein bisschen Vertrauen in die deutsche Politik gibt. So dachten ganz viele unserer deutschen Mitbürger als Karl-Theodor zu Guttenberg antrat, die deutsche Wirtschaft zu retten und etwas später dann auch noch die Bundeswehr auf Vordermann zu bringen. Was daraus wurde, sehen wir seit kurzem tagtäglich in den Medien. Wie kann so etwas geschehen?

 

Wer kannte schon den Freiherrn zu Guttenberg bevor er antrat, die bundespolitische Lichtgestalt zu werden? Na gut—die bayrische CSU natürlich. Kannte sie ihn aber wirklich? Mir war dieser Freiherr mit seinem maskenhaften Dauerlächeln von Anfang an suspekt.   KTzG scheint ein Mensch zu sein, der sich selbst zu den höchsten Ämtern berufen fühlt und versucht, daran auch keinen Zweifel zu lassen.  Dazu fehlte jetzt nur noch der Doktortitel, der die Karriere enorm beschleunigen kann. Also setzte er sich hin und begann seine Dissertation zu schreiben. Offenbar war es wohl mühseliger als er es für möglich gehalten hatte. Wieso dauert es dann ganze sieben Jahre bis sein „Werk“ fertig war? So komplex war sein Thema nicht und außerdem gab es ja enorm viel Literatur, die herangezogen werden konnte. Nur muss diese Sekundarliteratur eben mit entsprechenden Fußnoten versehen werden, so man diese nutzt. Er hatte wohl wegen der mühsamen Arbeit etwas unterbrochen. Das wäre eine Erklärung für die sieben Jahre. Natürlich hatte er ohne Zweifel die Fähigkeiten, eine solche Dissertation mit eigener Kraft zu Wege zu bringen. Schließlich hatte er das Regurosum (mündliche Promotionsprüfung) mit Summe cum laude abgeschlossen. Wegen seiner Karriereplanung wurde es nun Zeit, die Dissertation fertig zu stellen. Die Zeit drängte langsam. Drei Möglichkeiten gab es. 1. die ordnungsgemäße Erarbeitung, 2. Abschreiben möglichst vieler Textpassagen, 3. die Arbeit von dritten fertig stellen zu lassen. Die erste Möglichkeit hätte natürlich viel zu lange gedauert. Das Abschreiben ging schneller, hatte allerdings den Nachteil, dass bei ordnungsgemäßer Befußnotung man vielleicht nicht hundertprozentig mit seinem eigenen, vermeintlich überdurchschnittlichen Intellekt glänzen kann. Und letztendlich der einfachste Weg war, die Arbeit schreiben zu lassen. Jeder Doktorand versichert an Eides statt, bei seiner Dissertation nicht betrogen und fremde Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Die Universität Bayreuth hat nun zu prüfen, ob Herr zu Guttenberg sich in irgendeiner Form schuldig gemacht hat.

 

Der Doktortitel jedenfalls war nun da und Horst Seehofer meinte, auf ihn in München nicht verzichten zu können.  Offenbar hat er aber schnell gemerkt – was nun wieder für ihn spricht – was er sich mit der Berufung in die Parteizentrale eingehandelt hatte.  Er verspürte bereits das leichte Kratzen eines Sägeblattes an seinem Ministerpräsidenten-Stuhl. Wie wird man diesen Mann jetzt nur möglichst elegant und ohne Beschädigung der CSU und seiner eigenen Reputation wieder los? Berlin hatte geholfen. Die Bundeskanzlerin brauchte einen neuen Wirtschaftsminister. Und da diese Position der CSU zusteht war es beschlossene Sache. KTzG wird Bundeswirtschaftsminister und kann in München keinen Schaden anrichten. Er war ja schließlich auch wie geschaffen für diese Aufgabe – so die Lobhudeleien. Schließlich führte er doch erfolgreich ein Unternehmen. Dass dieses erfolgreiche Unternehmen ein familiärer Kleinbetrieb zur Verwaltung des Familienvermögens war, wurde geflissentlich in der Öffentlichkeit verschwiegen. Er war ja mit dieser beruflichen Tätigkeit auch nicht alleine. Wie uns die Werbung monatelang kund tat, gibt es Millionen von Hausfrauen, die eine solche Aufgabe erfolgreich bewältigen.

Nun war der fränkische Baron einen großen Schritt auf seiner in seiner Fantasie bereits fertig gestellten Karriereleiter weiter. Er saß in Berlin neben der Bundeskanzlerin am Kabinettstisch, übte sein Maskenlächeln und schielte – beflügelt durch das inzwischen laut gewordene Hurra-Geschrei der Bürger – wohl auch schon neidisch auf den noch von der Kanzlerin besetzten Sessel. Schließlich gehörte er ja auf diesen.

Vielleicht hatte sogar Frau Merkel sehr schnell gemerkt, dass dieser nassforsche  neue Wirtschaftsminister trotz seines Dauerlächelns bei den einflussreichen und mit allen Wassern gewaschenen Wirtschaftsbossen keinen Fuß an den Boden bekommt und hoffnungslos überfordert war. Seine Berufung war wohl eine Fehlentscheidung. Ihr kam die Dauerbaustelle Verteidigungsministerium sehr gelegen. Kurzerhand wurde der „Wirtschaftsexperte“ Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg Experte in der Verteidigungspolitik und wurde zum Verteidigungsminister gemacht. War das Frau Merkels Plan, ihn somit schnell auch wieder loswerden zu können? War ihr doch bewusst, dass dieser Posten immer schon ein gewaltiger Schleudersitz für seine Minister war. Das musste auch KTzG gewusst haben. Aber egal – Hauptsache weiterhin am Kabinettstisch in der Nähe des Kanzlersessels. Ihm konnte ja nichts passieren. Er war doch schließlich ein mit einem Doktortitel behafteter Baron, der allen hochmütig lächelnd vermittelte die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Forsch ging er an die neue Aufgabe und wieder jubelte ihm der Bundesbürger zu. Sein Beliebtheitsgrad stieg und stieg. Frau Merkels Mundwinkel sanken und sanken noch weiter. Wie erwartet dauerte es nicht lange und die erste ernste Herausforderung trat an den lächelnde Verteidigungsminister heran. Die Kunduskrise. Der Minister musste Stellung nehmen und handeln. Forsch müssen meine Taten sein – ich bin ja schließlich der Verteidigungsminister – wird er wohl gedacht haben. Also verkündete er schnellstens, dass der von dem deutschen Oberst Klein in Afghanistan befohlene Raketenangriff rechtens war und ausschließlich Taliban-Terroristen getötet wurden. Einen Tag später musste er diese Aussage revidieren. Er war wohl etwas zu forsch vorgeprescht. Von nun an eierte er sich durch diese Krise und entließ schnell mal hochdekorierte und in exponierter Stellung stehende Offiziere. Schließ hätten diese ihn nicht richtig informiert. Wäre es nicht wesentlich besser gewesen, sie hätten erst einmal vorsichtiger Argumentiert und dann diese Offiziere noch einmal eingehend befragt, Herr Verteidigungsminister? Nassforsches Vorgehen ohne Überlegung und aus reinem Aktionismus hat der Sache noch nie geholfen. Der gute Ruf von verdienten Offizieren jedenfalls ist erst mal weg. Bravo Herr Verteidigungsminister.

Weitere Skandale und Missstände in der Bundeswehr passierten bzw. wurden aufgedeckt, die in der Gorch-Fock-Affäre gipfelten. Und wieder wusste der Minister sich nicht anders zu helfen als den Kommandanten der Gorch Fock kurzerhand zu suspendieren ohne ihn überhaupt nur ein einziges Mal zu den Vorwürfen anzuhören. Erneut blanker Aktionismus, der das Ansehen eines Menschen und Offiziers auf Dauer zerstört hat. Das scheint diesem selbstgefälligen Minister aber egal zu sein.

Das Volk jubelt weiter. Ein Minister, der handelt. Lange nicht mehr gehabt. Dieser Personenkult kommt der Kanzlerin inzwischen gerade recht. KTzG wertet ihr Ansehen und das der Regierungspartei in der Bevölkerung erheblich auf und lenkt von ihrer Führungsschwäche und den vielen anderen negativ belegten Baustellen der Regierung ab.

Hochmut kommt vor dem Fall sagt ein Sprichwort. Nun hat es die Lichtgestalt der deutschen Politik böse erwischt. Er soll bei seiner Dissertation betrogen und über 20% abgeschrieben haben – wenn er sie überhaupt selbst geschrieben hat behaupten böse Zungen. Inzwischen hat er ja eingeräumt „Fehler“ begangen zu haben und seinen Doktortitel zunächst auf Zeit und dann dauerhaft zurückgegeben. Wer macht das schon freiwillig, wenn er keinen Dreck am Stecken hat? Wieder eiert er herum gibt nur zu, was andere längst bewiesen haben. Die berechtigte Forderung nach Rücktritt wird immer lauter. Ein solcher Schritt kommt für einen KTzG natürlich überhaupt nicht in Frage. Er habe ja letztendlich nicht vorsätzlich Betrogen und nur versehentlich 20% abgekupfert und Fußnoten vergessen und die gesamte CDU/CSU Fraktion sowie komischerweise immer noch das Volk stehen ja hinter ihm. Was das Strafgesetzbuch sagt, müssen andere herausfinden und beurteilen. Man muss sich aber fragen, wo die von Herrn zu Guttenberg viel zitierten konservativen Grundwerte geblieben sind.

Frau Merkels öffentliche Erklärung, sie hätte ja schließlich keinen wissenschaftlichen Assistenten sondern einen Verteidigungsminister gewollt ist lächerlich und trifft den Kern überhaupt nicht. Es geht nicht darum ob Herr zu Guttenberg einen Doktortitel hat oder nicht. Es geht darum, dass er offenbar betrogen, gelogen und manipuliert hat, Frau Merkel! In der Bundestagsdebatte zu diesem Fall durften ja sogar die Redner ihn öffentlich als Hochstapler, Lügner und Betrüger ohne nur einen einzigen Ordnungsruf durch das Parlamentspräsidium nennen. Ordnungsrufe bekamen Redner sonst schon für wesentlich harmlosere Entgleisungen.

Und Frau Merkel sowie CDU/CSU stehen immer noch zu Herrn zu Guttenberg. Es riecht verdächtig nach den aus früheren Zeiten bekannten Seilschaften. Die muss Frau Merkel ja noch sehr gut in Erinnerung haben. An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, warum konnte Frau Merkel eigentlich in der damaligen DDR studieren und als Physikerin Karriere machen wenn sie doch der DDR-Regierung so kritisch gegenüber stand? Jeder weiß doch, was mit regimekritischen Menschen geschah. Studierverbot und Karriereende waren noch die harmlosesten Konsequenzen.

Doch zurück zu KTzG. Vergessen Sie bitte nicht Herr Minister, dass schon in der Schulzeit bei Klassenarbeiten und Prüfungen Manipulationen als Betrug bewertet und entsprechend benotet wurden. In der Abiturprüfung beim „Schummeln“ erwischt zu werden bedeutete, sich vom Abitur verabschieden zu dürfen. Bei einer Doktorarbeit sollen diese Grundregeln plötzlich nicht mehr gelten? Das ist ein Irrtum. Sie gelten auch dort. Ein Student der Bundeswehruniversität München wurde degradiert weil er bei einer Hausarbeit getäuscht hatte und in der Bundeswehrhochschule Neubiberg wurde einem Doktoranden der Doktortitel aberkannt, weil er 60 Seiten seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Schlimm für diese beiden und so manchem anderen. Sie, Herr Minister, sind aber in einer exponierten Stellung und sollten eigentlich Vorbildfunktionen haben.

Herr Minister, tun Sie sich und der deutschen Politik etwas Gutes an und treten Sie zurück! Nur das ist ein Zeichen von Stärke und Größe. Erinnern Sie sich daran, dass Minister wegen wesentlich geringeren Anlässen zurücktreten mussten. Wie das Beispiel Schäuble zeigt kann man auch nach einem Rücktritt zu gegebener Zeit wie Phönix aus der Asche als Minister zurückkehren.

Es gibt eben doch keine Lichtgestalten außer vielleicht zur Weihnachtszeit oder vielleicht beim FC Bayern München aber keinesfalls in der Politik.

Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!